Ella Radio

Jazz News

Abdullah Ibrahim im Alter von 91 Jahren gestorben

17. Juni 2026

Abdullah Ibrahim im Alter von 91 Jahren gestorben

Musiker und Kämpfer gegen die Apartheid

Der südafrikanische Jazzpianist, Komponist und Bandleader Abdullah Ibrahim ist im Alter von 91 Jahren gestorben. Der weltweit gefeierte Musiker verstarb nach kurzer Krankheit im Chiemgau südlich von München im Kreis seiner Familie. Mit seiner einzigartigen Verbindung afrikanischer Klänge und moderner Jazzelemente prägte er Generationen von Künstlerinnen und Künstlern und wurde zu einer der wichtigsten kulturellen Stimmen im Kampf gegen die Apartheid.

„Mannenberg“ als Hymne des Widerstands

International bekannt wurde Ibrahim vor allem durch sein Stück „Mannenberg“, das 1974 nahezu zufällig während einer Studiosession entstand. Die Komposition erinnert an die Zwangsumsiedlung nicht-weißer Menschen aus Kapstadt und entwickelte sich zu einem musikalischen Symbol des Anti-Apartheid-Kampfes. Viele Südafrikaner betrachteten das Werk als inoffizielle Hymne des Widerstands gegen das rassistische Regime.

Für Ibrahim war Musik weit mehr als Unterhaltung. Sie bedeutete Freiheit und Selbstbestimmung in einer Zeit, in der Schwarze Südafrikaner systematisch unterdrückt wurden. Mit seinen Kompositionen überwand er die Grenzen, die das Apartheid-System errichten wollte.

Vom Wunderkind zur Weltkarriere

Geboren wurde Abdullah Ibrahim 1934 in Kapstadt als Adolph Johannes Brand. Bereits im Alter von sieben Jahren begann er Klavier zu spielen, mit 15 Jahren stand er erstmals auf der Bühne. Unter dem Namen „Dollar Brand“ wurde er bekannt und gründete später die Gruppe „Jazz Epistles“, die afrikanische Rhythmen mit Bebop verband und damit Musikgeschichte schrieb.

In den 1960er-Jahren konvertierte er zum Islam und nahm den Namen Abdullah Ibrahim an. Während seines Exils entwickelte er den sogenannten Cape Jazz, der bis heute als kulturelles Symbol des Widerstands gegen die Apartheid gilt. 1994 spielte er bei der Amtseinführung Nelson Mandelas, des ersten demokratisch gewählten Präsidenten Südafrikas.

Vermächtnis eines Weltbürgers

Südafrikas Präsident Cyril Ramaphosa würdigte Ibrahim als internationale Ikone und Weltbürger, der mit seiner Musik Menschen auf der ganzen Welt bereichert und sich unermüdlich für eine gerechtere Gesellschaft eingesetzt habe. Mit seinem Tod verliert die Jazzwelt einen außergewöhnlichen Künstler – sein musikalisches Erbe und seine Botschaft von Freiheit und Menschlichkeit bleiben jedoch lebendig.