Jazz News
Album der Woche: Bernd Lhotzky
Eine Brücke zwischen Barock und Jazz
Mit Jazz Goes Baroque schlägt Bernd Lhotzky eine faszinierende Brücke zwischen musikalischer Vergangenheit und Gegenwart. Der vielfach ausgezeichnete Pianist und Cembalist, zuletzt für sein Soloalbum Rag Bag mit dem Preis der deutschen Schallplattenkritik geehrt, widmet sich dabei einem besonderen Kapitel der europäischen Jazzgeschichte.
Ein Jubiläum in der Berliner Philharmonie
Das Album ist der Mitschnitt eines außergewöhnlichen Konzerts in der Berliner Philharmonie. Anlass war die 50. Ausgabe der renommierten ACT-Reihe Jazz at Berlin Philharmonic. Zugleich erinnert das Projekt an George Gruntz’ wegweisendes Album Jazz Goes Baroque aus dem Jahr 1964, das damals von ACT-Gründer Siggi Loch produziert wurde.
Sechs Jahrzehnte später greift Lhotzky diese Idee auf und entwickelt sie weiter. In eigenen Arrangements und Kompositionen beschäftigt er sich mit Werken von Monteverdi, Händel, Vivaldi, Couperin und Pachelbel. Dabei überträgt er die Musik nicht einfach in die Sprache des Jazz, sondern interpretiert sie neu und rückt ihre improvisatorischen Möglichkeiten in den Mittelpunkt. Wie George Gruntz bei seinem damaligen Projekt leitet auch Lhotzky das Ensemble vom Cembalo aus.
Europäische Spitzenbesetzung
Unterstützt wird Bernd Lhotzky von einer hochkarätigen europäischen Besetzung: Der französische Sopransaxofonist Emile Parisien trifft auf Frédéric Couderc an Saxofon und Flöte, Henning Sieverts an Bass und Cello sowie Eric Schaefer am Schlagzeug.
Die gemeinsame Sprache der Improvisation
Für Lhotzky verbindet Barock und Jazz vor allem die Lust an Variation und Improvisation. Bereits lange vor der Entstehung von Jam-Sessions improvisierten Musiker über den Basso continuo. Genau diese Verbindung macht Jazz Goes Baroque hörbar.
So entsteht ein Album, das historische Bezüge mit spielerischer Freiheit und Energie verbindet. Gleichzeitig verweist es auf die Entwicklung des europäischen Jazz und zeigt, wie musikalische Traditionen aufgegriffen und in der Gegenwart neu interpretiert werden können.
Das ganze Interview mit Eric Sommer jetzt nachhören: