Ein Gitarrist auf dem Gipfel
Biréli Lagrène, seit den 1980er‑Jahren als Gitarren-Wunderkind gestartet, gehört heute zu den stilprägenden Stimmen der modernen Jazzgitarre. Größen wie John Scofield, Mike Stern, Lionel Loueke oder George Benson verweisen seit Jahren auf seinen Einfluss, nicht nur wegen seiner Virtuosität, sondern wegen seines unverwechselbaren Tons. Elegant People, erschienen Anfang April beim französischen Jazzlabel PeeWee!, markiert nun einen weiteren Höhepunkt dieser langen Karriere.
Titelstück als Programm
Der Albumtitel verweist auf Wayne Shorters Komposition Elegant People aus dessen Zeit bei der Fusion‑Band Weather Report – eine klare Verbeugung vor Shorters lyrischer, zugleich hochkomplexer Musiksprache. Lagrènes Version eröffnet das Album und setzt sofort den Ton: Statt reiner Tempodemonstration dominieren Raum, Klangfarbe und harmonische Raffinesse. Der Gitarrist phrasiert weitgehend entspannt, spielt mit Pausen, lässt Töne stehen und gibt seinem Quartett hörbar Luft zum Atmen.
Bandklang statt Solo-Show
Begleitet wird Lagrène von Raphaël Pannier (Drums), Jean‑Yves Jung (Piano, Orgel, Fender Rhodes) und William Brunard (Bass) – eine eingespielte Formation, die mehr wie eine demokratische Band als wie ein Begleittrio klingt. Der Sound wirkt oft wie ein Live‑Mitschnitt: viel Interaktion, spontan wirkende Übergänge, dynamische Steigerungen. In Stücken wie Kings Cross oder Hopla zieht das Quartett die Energie deutlich an, während Balladen wie A Time for Love und My Foolish Heart Lagrènes lyrische Seite betonen.
Essenz statt Effekthascherei
Auffällig ist, wie konsequent Elegant People auf Überladenes verzichtet. Lagrène scheint technisch freier denn je, nutzt diese Freiheit aber für Klarheit, Melodie und Tiefgang: Virtuosität ist Mittel, nicht Selbstzweck. Das Album pendelt souverän zwischen kontemplativen Momenten und druckvollen Passagen und dokumentiert einen Künstler, der sich nach mehr als vier Jahrzehnten noch immer weiterentwickelt. Elegant People ist damit ein ideales Album der Woche: zeitloser, moderner Jazz, der auch nach vielen Durchläufen noch Neues entdecken lässt.
Bereits vergangene Woche hat Lagrène im Berliner Konzerthaus gespielt, veranstaltet vom Zig Zag Jazz Club.




