Jazz News
Album der Woche: „Kanal“ von Kancha Lanka Koalition
Einmal quer durch Kreuzberg
Wie klingt eine Fahrradfahrt durch Kreuzberg? Die Berliner Kancha Lanka Koalition hat darauf eine ziemlich überzeugende Antwort. Ihr zweites Album „Kanal“ folgt einer imaginären Route von Ost nach West – vom Schlesischen Tor über Hochbahn und Urbanstraße bis zum Mehringdamm und Gleisdreieck. Dazwischen liegt natürlich der Landwehrkanal. Die sechs Stücke tragen genau diese Stationen im Titel und machen das Album zu einer musikalischen Tour durch den Bezirk.
Gitarrist und Komponist Julian Datta, Trompeter Richard Koch, Bassist Rafael Espinoza und Schlagzeuger Javier Reyes spielen dabei Musik, die sich kaum auf ein Genre festlegen lässt. Jazz bildet das Fundament, dazu kommen Funk, Rock und komplexe rhythmische Ideen. Datta beschäftigt sich unter anderem intensiv mit südindischen Rhythmen und Konnakol – und das ist der Musik anzuhören.
Monk trifft James Brown
Die Idee hinter „Kanal“ ist Bewegung. Beim Radeln durch Kreuzberg ziehen Eindrücke vorbei, während im Kopf musikalische Erinnerungen auftauchen: Thelonious Monk, Olivier Messiaen, James Brown und südindische Rhythmik gehören zu den genannten Bezugspunkten. Daraus entsteht jedoch keine Collage von Zitaten, sondern ein eigener, ziemlich körperlicher Sound. Verschachtelte Grooves wechseln die Richtung, Melodien schlagen Haken, komponierte Passagen öffnen sich für Improvisationen.
Das Quartett kann dabei kantig und komplex klingen, verliert aber nie den gemeinsamen Puls. Gerade diese Mischung aus ausgearbeiteten Strukturen und spontaner Energie prägt die Band. Schon das 2021 erschienene Debüt „In der Komfortzone“ wurde für abrupte Richtungswechsel und seine Verbindung unterschiedlicher musikalischer Einflüsse wahrgenommen.
Eine grüne Chili aus Berlin
Und dann wäre da noch der ungewöhnliche Bandname: „Kancha Lanka“ ist Bangla, also Bengalisch, und bedeutet „grüne Chili“. Ein passendes Bild für diese Musik – würzig, scharf und voller verschiedener Aromen.
„Kanal“ ist deshalb mehr als ein Jazzalbum mit Berliner Ortsnamen. Es ist ein musikalisches Kreuzberg-Porträt: international, rhythmisch vertrackt, groovend und ständig in Bewegung. Erschienen ist das rund 39-minütige Album am 4. September 2026 beim Berliner Label XJAZZ! Music.