Jazz News
Album der Woche: Moving – Paulo Morello
Paulo Morello ist eine feste Größe im europäischen Jazz – und zugleich jemand, der Bewegung nicht nur im Titel trägt, sondern im Spiel lebt. Geboren 1970 in der Oberpfalz als Cornelius Paul Schmidkunz, ist Morello heute künstlerischer Direktor am Jazzinstitut Berlin und europaweit gefragter Jazzgitarrist. Kooperationen mit Bob Mintzer und Paul Kuhn markieren ebenso seine Laufbahn wie sein unverwechselbarer Ton: lyrisch-virtuos, mit brasilianischem Touch.
Mit MOVING hat Morello 2025 ein Trioalbum vorgelegt, das genau diese Handschrift konzentriert und zugleich erweitert. Gemeinsam mit Sven Faller am Bass und Mauro Martins am Schlagzeug – Weggefährten seit über zwanzig Jahren – entstand eine Musik, die Morello selbst als „Sambop“ beschreibt: eine organische Verbindung aus Samba-Rhythmik und Bebop-Energie. Zehn Tage Studiozeit, 34 eingespielte Stücke, zwölf ausgewählt – man hört, dass hier nichts überstürzt wurde. Das Ergebnis ist reif, fokussiert und zugleich leichtfüßig.
„Moving“ ist dabei mehr als eine Momentaufnahme. Es ist eine bewusste Verneigung vor Wes Montgomery, einem der prägenden Einflüsse Morellos. Montgomerys legendäres Album „Moving Wes“ steht nicht nur Pate für den Titel, sondern auch für das Artwork: Morello stellt das ikonische Cover nach – mit der baugleichen Gitarre in der Hand, in derselben Bewegung von links ins Bild. Ein starkes, respektvolles Statement, das Tradition nicht kopiert, sondern weiterträgt.
Musikalisch lebt das Album von Präzision und Vertrauen. Die lange gemeinsame Geschichte des Trios zeigt sich im perfekten Zusammenspiel, in feinen Akzentverschiebungen und in einem Groove, der trägt, ohne zu beschweren. Improvisation wirkt hier nie selbstzweckhaft, sondern erzählerisch – jede Linie hat Richtung, jeder Break Bedeutung.
Drei Worte fassen „MOVING“ treffend zusammen:
LYRISCH – EINGESPIELT – LEICHTIGKEIT
Ein Album, das bewegt – körperlich wie gedanklich. Und ein würdiger Kandidat für das Album der Woche.