Jazz News
Céline Rudolph: Wenn die Muse ruft
Die Berliner Jazzsängerin Céline Rudolph lässt sich gerade treiben – und das klingt ganz nach ihr. „Ich komponiere gerade so, wie die Muse mich küsst“, erzählt sie im Gespräch mit Ella. Für eine Künstlerin, die ohnehin nie den bequemen Weg gewählt hat, ist dieser Satz fast ein Programm.
Die 1969 in Berlin geborene Musikerin steht seit Jahrzehnten für grenzenlose Klangneugier. Sie hat mit Ikonen wie Bobby McFerrin und Till Brönner gearbeitet, gewann 2024 den Deutschen Jazzpreis als „Beste Sängerin“ und wurde von einer französischen Zeitung einst als „Juwel des europäischen Jazz“ gefeiert. Doch trotz solcher Auszeichnungen bleibt sie erstaunlich uneitel – und stets auf der Suche nach neuen Ausdrucksformen.
Von „Amaré“ zur Wintermelodie
Ihr aktuelles Album „Amaré“ ist eine vibrierende Liebeserklärung an den brasilianischen Jazz. Es verbindet portugiesische Leichtigkeit und Berliner Bodenhaftung, ganz so, als würde man durch Sonne und Nebel zugleich wandern. Rudolph singt darauf in mehreren Sprachen, manchmal sogar in ihrer eigenen – einer eigens entwickelten Lautsprache, die zwischen Scat, Lyrik und Poesie schwebt.
Doch jetzt kündigt sich etwas Neues an. Fast beiläufig verrät sie im Interview, dass sie derzeit an einem komplett anderen Klangkosmos arbeitet: eine „Wintermelodie“ mit Flöten und Klarinetten, ohne Gesang, ganz instrumentell und noch im Entstehen. „Alles ist gerade im Fluss“, sagt sie ruhig, „vielleicht kommen später Gedichte dazu.“ Denn Schreiben, das tut sie, seit sie Teenager war.
Zwischen Bühne und Hochschule
Wenn Rudolph nicht selbst auf der Bühne steht, lehrt sie am Jazzinstitut Berlin, wo sie als Professorin für Gesang den Nachwuchs begleitet. „Ich will junge Stimmen ermutigen, sich selbst zu entdecken“, sagt sie – ein Satz, der auch ihr eigenes Schaffen beschreibt. Immer wieder erfindet sie sich neu, folgt Melodien, bevor sie überhaupt Noten werden.
Und sobald dieses neue Projekt spruch- oder besser gesagt klangreif ist, will sie es bei Ella vorstellen. Ein Versprechen von einer Künstlerin, die weiß, dass Jazz nie stehen bleibt – genau wie sie selbst.
Das vollständige Interview gibt es hier: