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daoud – Das Enfant terrible des Jazz

03. November 2026

daoud – Das Enfant terrible des Jazz

Er bricht mit Konventionen, liebt den Groove und hat wenig Interesse daran, die Erwartungen der Jazzwelt zu erfüllen: Der französisch-marokkanische Trompeter daoud gehört zu den eigenwilligsten Stimmen der jungen europäischen Jazzszene. Bei ella radio spricht er über seine Musik, seinen ungewöhnlichen Weg und sein Konzert im Berliner Gretchen.

Jazz ohne Schubladen

Man nennt ihn das „Sorgenkind des Jazz“, das „Enfant terrible“ einer Musikszene, die ihre Traditionen gerne pflegt. Doch daoud lässt sich davon wenig beeindrucken. Der französisch-marokkanische Trompeter, Komponist und Produzent macht Jazz, ohne sich allzu sehr darum zu kümmern, was Jazz eigentlich sein soll.

In seiner Musik treffen komplexe Harmonien und freie Improvisation auf Hip-Hop, R’n’B, elektronische Sounds und treibende Grooves. Mal klingt das verspielt und leicht, dann wieder wild, melancholisch oder geradezu explosiv. Was dabei entsteht, ist ein Sound, der auch Menschen begeistert, die sonst eher selten ein Jazzkonzert besuchen.

Vom Außenseiter zum gefeierten Newcomer

Dabei verlief daouds Weg auf die großen Bühnen alles andere als geradlinig. Schon als Kind begann er Trompete zu spielen, doch mit dem klassischen Ausbildungsweg konnte er wenig anfangen. Er brach seine musikalische Ausbildung ab, arbeitete in verschiedenen Berufen, kehrte der Musik zeitweise ganz den Rücken und fand schließlich auf eigene Faust zu ihr zurück.

Erst 2024 veröffentlichte er sein selbst produziertes Debütalbum „GOOD BOY“ und sorgte damit international für Aufmerksamkeit. Auftritte beim Montreux Jazz Festival, im legendären Londoner Ronnie Scott’s und auf weiteren renommierten Bühnen folgten.

Sein Erfolg hat viel mit seiner unkonventionellen Haltung zu tun. daoud ist Trompeter, Komponist, Beatmaker und Produzent zugleich. Er denkt Musik nicht in festen Genres, sondern in Klängen, Stimmungen und Möglichkeiten.

Zwischen Chaos, Humor und Melancholie

Mit seinem zweiten Album „ok“, das 2025 beim deutschen Jazzlabel ACT erschien, geht daoud noch einen Schritt weiter. Die 14 Stücke verbinden Jazz mit Hip-Hop, Rock, Disco, Afrobeat und Drum’n’Bass. Hinter den mitreißenden Rhythmen und überraschenden musikalischen Wendungen verbergen sich dabei durchaus ernste Themen.

Es geht um Scheitern, Verlust, Widersprüche und die manchmal schwierige Kunst, Dinge zu akzeptieren, die sich nicht ändern lassen. Humor und Melancholie liegen bei daoud oft dicht beieinander. Seine Musik kann gleichzeitig ausgelassen und verletzlich sein – und gerade darin liegt ihr besonderer Reiz.

Ein Jazz-Rebell wider Willen?

Dass er ständig als Regelbrecher bezeichnet wird, sieht daoud selbst mit einer gewissen Ironie. In Interviews macht er deutlich, dass er nie mit dem erklärten Ziel angetreten sei, den Jazz zu revolutionieren. Vielmehr möchte er musikalische Ideen verwirklichen, die ihm in anderen Produktionen fehlen.

Auch den Mythos vom genialen, von Inspiration überwältigten Künstler betrachtet er skeptisch. Für ihn ist Musikmachen vor allem ein Handwerk, das Neugier, Arbeit und Experimentierfreude verlangt.

Vielleicht macht gerade diese Haltung ihn für ein neues, junges Publikum so interessant: daoud nimmt seine Musik ernst, aber nicht unbedingt die Regeln und Rituale, die sich um sie herum entwickelt haben.

Live in Berlin und zu Gast bei ella radio

Am Mittwoch, 4. November 2026, steht daoud mit seiner Band im Berliner Gretchen auf der Bühne. Wer seine Musik kennt, weiß: Live kann daraus ein ebenso energiegeladenes wie überraschendes Erlebnis werden. Zwischen lyrischen Trompetenpassagen, kraftvollen Rhythmen und spontanen musikalischen Ausbrüchen bleibt reichlich Platz für das Unerwartete.

Das Konzert ist bereits ausverkauft – ein weiteres Zeichen dafür, wie groß das Interesse an diesem ungewöhnlichen Musiker inzwischen ist.

Bei ella radio ist daoud zu Gast und spricht über seinen Weg zum Jazz, seinen eigenwilligen Umgang mit musikalischen Traditionen, sein Album „ok“ und natürlich über seinen Auftritt in Berlin. Ein Gespräch mit einem Künstler, der zeigt, wie lebendig Jazz klingen kann, wenn man sich nicht von Genregrenzen aufhalten lässt.

Jetzt das Interview hören: