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Dennis van Aarssen: Ein Abend für die großen Crooner

17. Juni 2026

Dennis van Aarssen: Ein Abend für die großen Crooner

Von Petra Schwarz

Der Jazz hat ein eigentümliches Verhältnis zur Vergangenheit. Kaum ein Genre pflegt seine Traditionen so beharrlich, und kaum eines steht zugleich vor der Herausforderung, diese Traditionen immer wieder neu zu beleben. Dennis van Aarssen, der niederländische Sänger, der 2019 „The Voice of Holland“ gewann, versucht genau das.

Im ausverkauften Columbia Theater in Berlin-Tempelhof zeigte er, wie ein vergleichsweise junger Künstler das Erbe der großen Crooner aufgreifen kann, ohne dabei in bloße Nostalgie zu verfallen. Präsentiert wurde der Abend von Ella – Fühl den besten Jazz, Soul und Blues.

Begleitet von einer achtköpfigen Band mit vier Bläsern, Rhythmusgruppe und Piano präsentierte van Aarssen einen Sound, der unverkennbar in der Tradition von Frank Sinatra, Tony Bennett oder Mel Tormé steht. Sein Programm setzt weniger auf musikalische Überraschungen als auf handwerkliche Präzision und stilistische Konsequenz. Die Arrangements sind geschmackvoll, die Band agiert souverän und mit jener Zurückhaltung, die diesem Repertoire gut zu Gesicht steht.

Bemerkenswert ist dabei vor allem die Bühnenpräsenz des Sängers. Van Aarssen besitzt weder die abgeklärte Grandezza eines Altmeisters noch versucht er, sie zu imitieren. Vielmehr entsteht ein reizvoller Kontrast zwischen seiner jungenhaften Erscheinung und der musikalischen Welt, die er verkörpert. Gerade diese Spannung verleiht seinem Auftritt Glaubwürdigkeit. Man hat nie den Eindruck, einem Imitator zuzuhören; vielmehr scheint hier jemand eine Sprache gefunden zu haben, die zwar aus der Vergangenheit stammt, ihm aber dennoch gehört.

Das Publikum dankte es ihm mit spürbarer Aufmerksamkeit und großer Sympathie. Bereits zu Beginn des Konzerts herrschte eine gelöste, beinahe enthusiastische Stimmung, die den gesamten Abend trug. Van Aarssen verstand es, diese Nähe aufzunehmen, ohne sich ihr anzubiedern. Seine Moderationen blieben unaufgeregt, gelegentlich selbstironisch und stets dem musikalischen Geschehen untergeordnet.

Besonders überzeugend wirkte dabei die Selbstverständlichkeit, mit der er sich in diesem Repertoire bewegt. Seine Stimme verfügt über Wärme und Kontrolle, über jene elegante Phrasierung, die für den klassischen Crooner-Stil unverzichtbar ist. Zugleich vermeidet er jede Form übertriebener Sentimentalität. Die großen Liebeslieder des Genres erscheinen bei ihm weniger als nostalgische Reminiszenz denn als zeitlose Erzählungen über Nähe, Sehnsucht und Verlust.

Der Abend im Columbia Theater war daher weniger ein spektakuläres Ereignis als eine Erinnerung daran, wie wirkungsvoll musikalische Stilsicherheit sein kann. Dennis van Aarssen erfindet den Crooner nicht neu. Aber er zeigt, dass diese Kunstform auch für eine Generation attraktiv sein kann, die Sinatra nur noch aus den Plattensammlungen ihrer Eltern kennt. Das ist vielleicht keine kleine Leistung.