Jazz News
Erinnerungen an Bill Evans
Morgen, am Sonntag, wäre Bill Evans 97 Jahre alt geworden. Ein Pianist, der den Jazz nicht durch Lautstärke oder große Gesten veränderte, sondern durch Feinheit, Freiheit und eine neue Art des Zusammenspiels. Für ELLA LIVE IN CONCERT ist sein Geburtstag deshalb der perfekte Anlass, am Sonntag um 18 Uhr eines der bedeutendsten Live-Dokumente der Jazzgeschichte zu präsentieren: Bill Evans mit seinem Trio 1961 im New Yorker Village Vanguard.
Drei Musiker werden zu einer Stimme
Bill Evans hatte eine besondere Vorstellung davon, wie ein Jazztrio klingen sollte. Bass und Schlagzeug sollten nicht bloß das Klavier begleiten. Alle drei Musiker sollten gleichberechtigt miteinander kommunizieren, einander zuhören, reagieren, Impulse aufnehmen und weitergeben.
Mit Scott LaFaro am Bass und Paul Motian am Schlagzeug fand Evans dafür die idealen Partner. Wie außergewöhnlich dieses Trio war, lässt sich bei den Aufnahmen vom 25. Juni 1961 hören. An diesem Sonntag spielte die Gruppe fünf Sets im legendären Village Vanguard in Greenwich Village.
Selten ist ein Jazztrio so sehr „eingerastet“. LaFaros Bass löst sich immer wieder von seiner traditionellen Begleitrolle, Motian schafft Räume statt nur den Takt vorzugeben, und Evans lässt am Klavier Melodien und Harmonien entstehen, die von seinen Mitmusikern unmittelbar aufgegriffen werden. Aus drei Instrumenten wird ein gemeinsamer Klangkörper.
Ein Tag für die Ewigkeit
Die Aufnahmen dieses Tages erschienen später vor allem auf „Sunday at the Village Vanguard“ und „Waltz for Debby“ und wurden zu Meilensteinen des modernen Jazz. Bis heute gilt das Konzert als eines der großen Dokumente dafür, was musikalisches Zuhören und spontane Interaktion im Jazz bedeuten können.
Doch über diesen Aufnahmen liegt auch eine tragische Geschichte. Nur elf Tage später starb Scott LaFaro im Alter von nur 25 Jahren bei einem Autounfall. Die Aufnahmen aus dem Village Vanguard wurden damit zum Vermächtnis eines Trios, dessen gemeinsame Entwicklung abrupt endete.
Umso intensiver wirken sie mehr als sechs Jahrzehnte später: drei Musiker auf dem Höhepunkt ihres Zusammenspiels – festgehalten an einem einzigen Sonntag in New York.