Jazz News
Irreversible Entanglements: „Future Present Past“
Free Jazz zwischen Vergangenem, Gegenwart und Zukunft
Mit ihrem neuen Album „Future Present Past“ rückt Irreversible Entanglements Free Jazz ins Zentrum der gegenwärtigen politischen und kulturellen Diskussion. Das Album erscheint am 27. März 2026 über das ikonische Label Impulse! und knüpft an die Band’s bisherige Aufmerksamkeit für Unterdrückung, Vergangenheitstrauma und kollektive Emanzipation an. Gleichzeitig markiert es einen neuen Schritt im Reifeprozess des Kollektivs: Technisch reifer, klarer im Konzept, aber inhaltlich noch radikaler und persönlich erfahrbarer.
Ort und Klangwelt des Albums
Die Aufnahmen zu „Future Present Past“ entstanden im legendären Rudy Van‑Gelder Studio in New Jersey, dem klangästhetischen Heiligtum von Spiritual‑Jazz‑Klassikern wie John Coltranes „A Love Supreme“. Hier entfaltet das Quintett seinen freien, teils dichten, teils luftigen Sound, der die Improvisationskultur des Free Jazz mit einer fast choreografischen Spannung verbindet. Die Band selbst beschreibt das Album als einen Moment, in dem „fünf Musiker sich in Milliarden transformieren“ – eine musikalische Verkörperung globaler Solidarität und kollektiver Widerstandserfahrung.
Politische Intention und Klanggestalt
Irreversible Entanglements verbinden Free Jazz bewusst mit klaren politischen Statements: „Future Present Past“ thematisiert Sklavenhandel, rasche Industrialisierung, neurologische und spirituelle Dimensionen der Psychiatrie sowie kollektive Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Die poetische Stimme von Camae Ayewa (Moor Mother) steht dabei im Zentrum: teils gesprochen, teils gesungen, stets mit einer Direktheit, die Improvisation und Text gleichwertig auf eine Ebene hebt. In der Fachpresse wird das Album als „dringend, politisch aufgeladen und kraftvoll“ beschrieben, mit einem Sound, der Free‑Jazz‑Tradition und zeitgenössische, weltweite Klangwelten verbindet.
Formation und Kontext im Jazz
Gegründet 2015 als „liberation‑oriented free jazz collective“, vereinen Irreversible Entanglements Saxofonist Keir Neuringer, Trompeter Aquiles Navarro, Bassist Luke Stewart, Schlagzeuger Tcheser Holmes und Sängerin/Poetin Moor Mother. Ihr Schaffen wird in der Jazz‑Szene häufig mit dem Geist des Art Ensemble of Chicago oder dem späten, spirituell aufgeladenen John Coltrane verglichen: temperamentvoll, emotional und klar in der politischen Haltung. Live‑Konzerte in 2026, etwa beim Jazz à Liège und weiteren europäischen und US‑Engagements, unterstreichen, dass „Future Present Past“ nicht nur ein Studio‑Highlight, sondern auch ein herausforderndes Live‑Statement ist. Für Jazz‑Programmplaner bleibt klar: Hier liegt zeitgenössischer, politischer Free Jazz und nicht nur experimentelles Randprojekt.