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Jacob Szekely: Vom Nachwuchstalent zum Jazz-Pionier

15. Juli 2026

Jacob Szekely: Vom Nachwuchstalent zum Jazz-Pionier

Der US-amerikanische Cellist Jacob Szekely gehört heute zu den gefragtesten Studio- und Live-Musikern in Los Angeles. Dabei begann seine musikalische Laufbahn ganz klassisch – Jazz war in den Unterrichtsstunden seiner Lehrer praktisch tabu.

„Ich hätte meinen Lehrern niemals erzählt, dass ich nebenbei Jazz-Gigs spiele“, erinnert sich Szekely im Gespräch mit dem Portal Jazz24. Inzwischen ist aus dem einstigen Geheimnis seine größte Stärke geworden: Als einer der wenigen Cellisten, die sich selbstverständlich in einer Jazzband bewegen, erweitert er die Möglichkeiten seines Instruments kontinuierlich.

Miles Davis als heimliche Inspiration

Wie die meisten Cellisten wurde Szekely ausschließlich klassisch ausgebildet. Doch schon als Jugendlicher entdeckte er heimlich die Musik von Jazz-Legende Miles Davis – ein Schlüsselmoment für seine weitere Entwicklung.

„Mit zehn oder zwölf macht man heimlich verrückte Dinge. Für mich war das, zum ersten Mal Miles Davis zu hören“, sagt er.

Während ihn die strengen Regeln der klassischen Musik zunehmend einengten, faszinierte ihn die Freiheit der Jazz-Improvisation. Zum ersten Mal hatte er das Gefühl, sich musikalisch wirklich ausdrücken zu können.

Improvisation statt fester Regeln

Die klassische Cellotechnik sei kaum darauf ausgelegt, frei mit Melodien umzugehen, erklärt Szekely. Erst nach und nach erkannte er, dass sein Instrument viel mehr Möglichkeiten bietet.

„Irgendwann wurde mir klar, dass ich mit dem Cello einfach jede Melodie spielen kann, die ich innerlich höre.“

Diese Erkenntnis veränderte seine musikalische Laufbahn grundlegend – und machte ihn selbst zum Lehrer.

Neue Spieltechniken für eine neue Generation

Seit vielen Jahren vermittelt Szekely klassisch ausgebildeten Streichern den Einstieg in die Welt der Improvisation. 2012 veröffentlichte er mit dem „Improviser’s Guide to the Cello“ ein Lehrbuch, das seinen eigenen Weg vom klassischen Denken hin zur improvisierten Musik beschreibt.

Sein Ziel: Musikerinnen und Musiker dazu ermutigen, das Cello nicht nur als Orchesterinstrument, sondern als vielseitiges Ausdrucksmittel zu verstehen.

Wenn das Cello wie eine E-Gitarre klingt

Szekely beschränkt sich dabei nicht auf traditionelle Spielweisen. Er nutzt Verstärker, Effektgeräte und Pedale, wie sie sonst vor allem Gitarristen verwenden. Darüber hinaus entwickelt er sogar eigene Effektpedale und technische Hilfsmittel speziell für Cellisten.

Verzögerungseffekte, Hall oder Wah-Wah gehören inzwischen selbstverständlich zu seinem Klangrepertoire. „Das macht unglaublich viel Spaß. Ich glaube, viele Streicher würden gern häufiger mit solchen Effekten experimentieren“, sagt er.

Das Cello in die Zukunft führen

Mit seinem Trio sowie dem Ensemble Quarteto Nuevo lotet Szekely die Grenzen des Cellos in Jazz und anderen Musikrichtungen aus. Dabei geht es ihm nicht nur darum, das Instrument weiterzuentwickeln, sondern auch dem Jazz neue Impulse zu geben.

„Ich versuche, den Jazz ein Stück weit aus den 1950er-Jahren herauszuführen“, erklärt er. Komplexe Taktarten, moderne Rhythmen und stilistische Offenheit prägen seine Musik.

Für Szekely steht fest: Obwohl sich das Cello in den vergangenen 300 Jahren kaum verändert hat, sind seine Möglichkeiten längst nicht ausgeschöpft.

„Unsere Instrumente haben sich seit über 300 Jahren kaum verändert. Deshalb ist es für uns jedes Mal aufregend, wenn wir etwas Neues ausprobieren können.“