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Julia Hülsmann: Die Kraft der leisen Töne

10. September 2026

Julia Hülsmann: Die Kraft der leisen Töne

Sie gehört zu den prägenden Persönlichkeiten des deutschen Jazz – und zu den Musikerinnen, die längst weit über Deutschland hinaus gehört werden: Julia Hülsmann. Die Berliner Pianistin und Komponistin ist bekannt für einen unverwechselbaren Stil, der nicht auf Virtuosität als Selbstzweck setzt. Bei ihr zählt ebenso, was zwischen den Tönen passiert. Raum, Reduktion und Stille gehören zu ihrer musikalischen Sprache.

Von Bonn nach Berlin – und in die Welt

1968 in Bonn geboren, kam Julia Hülsmann 1991 nach Berlin, um Jazzklavier an der damaligen Hochschule der Künste zu studieren. Seit 1997 spielt sie mit ihrem eigenen Trio. Es folgten internationale Tourneen, zahlreiche Projekte und eine lange Reihe von Veröffentlichungen – seit 2008 regelmäßig beim renommierten Münchner Label ECM.

Hülsmann arbeitete mit Musikerinnen und Musikern wie Rebekka Bakken und Theo Bleckmann, mit Bigbands von NDR und hr und wurde vielfach ausgezeichnet. 2026 erhielt sie den Jazzpreis Berlin. Die Jury würdigte dabei nicht nur ihre künstlerische Arbeit, sondern auch ihre Rolle als Vorbild und ihr langjähriges Engagement für die Jazzszene.

Mehr Frauen im Jazz

Denn Julia Hülsmann beschäftigt seit vielen Jahren eine Frage, die weit über die Musik hinausgeht: Wer bekommt im Jazz eine Bühne – und wer nicht? Bereits ihr Studium schloss sie mit einer Arbeit über das Selbstbild von Jazzpianistinnen ab. Später engagierte sie sich in der Deutschen Jazzunion und setzte sich für bessere Arbeitsbedingungen von Jazzmusikerinnen und Jazzmusikern ein.

Heute ist Hülsmann Professorin für Jazz/Pop-Klavier und Ensembleleitung an der Universität der Künste Berlin und begleitet damit auch die nächste Generation. Wie sehr hat sich die Situation von Frauen im deutschen Jazz inzwischen verändert? Und wo gibt es weiterhin Nachholbedarf? Darüber sprechen wir mit ihr bei Ella Radio.

Ein neues Kapitel: das Julia Hülsmann Oktett

Auch musikalisch bleibt Julia Hülsmann in Bewegung. Anfang 2026 erschien bei ECM „While I Was Away“. Dafür hat sie ein ungewöhnlich besetztes Oktett zusammengestellt: Eine klassische Trio-Konstellation aus Violine, Cello und Klavier trifft auf ein Jazz-Pianotrio und drei Stimmen. Kammermusik, Jazz und Song verschmelzen zu einer offenen, vielschichtigen Klangwelt.

Am Sonntag, 13. September, bringt Julia Hülsmann ihr Oktett ins Zig Zag nach Berlin-Schöneberg. Im Gespräch mit Ella Radio erzählt sie von diesem neuen Ensemble, von der Kunst des Weglassens – und davon, was sich für Frauen im Jazz in den vergangenen Jahrzehnten tatsächlich verändert hat.