Jazz News
Kenny Martin Zwischen New York und Berlin
Er ist eine lebende Verbindungslinie zwischen den Jazzwelten: Kenny Martin, legendärer Schlagzeuger aus New York, lebt seit einigen Jahren in Berlin und prägt hier die Szene mit. Seine Karriere reicht von der pulsierenden Downtown-Szene Manhattans bis in die Clubs von Charlottenburg und sogar in den deutschen Pop-Olymp: Martin spielte auf Peter Fox’ Erfolgsalbum „Stadtaffe“, das mit neunfach Platin ausgezeichnet wurde.
Pionier mit Defunkt
Seinen Ruf als musikalischer Grenzgänger erarbeitete sich Kenny Martin bereits in den 1980er Jahren mit der Band „Defunkt“. Die Gruppe schrieb Musikgeschichte, indem sie als eine der ersten Free-Style, Bebop und Funk miteinander verschmolz und damit ein völlig neues Publikum erreichte. Defunkt stand für Energie, Experiment und eine radikale Offenheit, die bis heute nachwirkt.
Begegnungen mit Miles
In dieser Zeit kam es auch zu einer außergewöhnlichen Nähe zu Miles Davis. Martin begegnete dem Großmeister nicht nur auf der Bühne, sondern auch im privaten Umfeld – regelmäßig saß er in dessen Wohnzimmer. „Ich habe ihn einfach gefragt, ob ich in seiner Band spielen darf“, erinnert sich Martin. „Alle hatten Angst vor ihm, ich nicht.“ Was Miles darauf antwortete, erzählt Martin im Gespräch.
Hommage im A-Trane
Am 25. Mai, dem Vorabend von Miles Davis’ 100. Geburtstag, wagt Kenny Martin im Berliner A-Trane ein besonderes Projekt: Gemeinsam mit hochkarätigen Musikerinnen und Musikern der Berliner Szene, darunter Jazzpreisträger Fuasi Abdul-Khaliq, interpretiert er Werke aus allen fünf Schaffensdekaden von Miles Davis. Ein ambitionierter Abend und zugleich eine persönliche Verbeugung vor einem der größten Innovatoren der Jazzgeschichte.
Einfluss über Instrumente hinaus
Im Gespräch geht es auch um die Frage, welchen Einfluss Miles Davis auf Musiker hatte, die gar keine Trompeter sind. Für Kenny Martin ist die Antwort klar: Es geht um Haltung, Mut und den permanenten Drang zur Veränderung – Qualitäten, die seinen eigenen Weg bis heute prägen.
Jetzt das ganze Interview mit Eric Sommer anhören: