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Lorenz Kellhuber: Wenn das Klavier zur Sprache wird

25. September 2026

Lorenz Kellhuber

Manche Musiker spielen ihr Instrument, andere scheinen sich darin auszudrücken wie in einer Muttersprache. Zu Letzteren gehört Lorenz Kellhuber. Der 1990 in München geborene Pianist bewegt sich mit bemerkenswerter Selbstverständlichkeit zwischen Jazz, klassischer Musik und freier Improvisation. In dieser Woche, in der sich der Geburtstag von John Coltrane zum 100. Mal jährt, liegt der Vergleich zumindest in einem Punkt nahe: So wie Coltrane die Ausdrucksmöglichkeiten des Saxophons auslotete, sucht Kellhuber am Klavier nach einer ganz eigenen musikalischen Sprache.

Zwischen Klassik und Jazz

Kellhubers Weg begann früh. Als Sohn zweier Kirchenmusiker erhielt er mit fünf Jahren klassischen Klavierunterricht, mit elf wurde er Jungstudent. Später führte ihn der amerikanische Pianist Rob Bargad intensiv an den Jazz heran. Mit gerade einmal 16 Jahren bestand Kellhuber die Hochbegabtenprüfung und begann sein Studium am Jazz-Institut Berlin. Zu seinen Lehrern gehörten Hubert Nuss und Kurt Rosenwinkel, während Aufenthalten in New York nahm er unter anderem Unterricht bei Fred Hersch. 2014 gewann er als erster Deutscher die Montreux Jazz Piano Solo Competition.

Diese verschiedenen musikalischen Welten sind bis heute in seinem Spiel zu hören. Klassische Klangkultur trifft auf die Freiheit des Jazz und die Unberechenbarkeit der Improvisation. Kellhuber selbst beschreibt seine musikalische Vision als „Contemporary Chamber Music“ – zeitgenössische Kammermusik ohne festgezogene Grenzen.

Musik, die im Moment entsteht

Wie weit kann man ein Instrument beherrschen? Und wann beginnt es, selbst den Musiker zu überraschen? Gerade in der freien Improvisation wird diese Frage für Kellhuber interessant. Seine Konzerte leben vom Moment und davon, dass nicht alles im Voraus feststeht.

Das gilt auch für das kleine Jazzfestival „Low Intervention“, das Kellhuber gemeinsam mit Christoph Schreiber im Pianosalon Christophori in Berlin-Wedding kuratiert. Vom 25. September bis 2. Oktober treffen dort Musikerinnen und Musiker in wechselnden Konstellationen aufeinander. Kellhuber selbst spielt unter anderem mit Julia Hülsmann an zwei Klavieren, mit seinem Trio sowie mit der Cellistin Elisabeth Coudoux und zum Finale mit Anna-Lena Schnabel und Jorge Rossy.

Ein guter Anlass also, mit Lorenz Kellhuber darüber zu sprechen, was es bedeutet, „fließend“ Klavier zu sprechen – und warum selbst ein vollkommen vertrautes Instrument immer noch Überraschungen bereithält. Zu den Tickets.