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Mario Mattia veröffentlicht „Metamorphosis“

22. September 2026

Mario Mattia

Der US-amerikanische Improvisationspianist Mario Mattia hat mit Metamorphosis eine rund siebenminütige freie Klavierimprovisation veröffentlicht. Das Stück beginnt in einem lyrischen, deutlich tonalen Klangraum und entwickelt sich im weiteren Verlauf zunehmend in Richtung einer kantigeren, nicht-tonalen Musiksprache.

Improvisation als Entdeckungsprozess

Im Zentrum von Mattias Arbeit steht die spontane musikalische Entwicklung. Er setzt sich nicht mit einer bereits fertig konzipierten Komposition ans Klavier. Stattdessen beginnt er zu spielen, hört auf das entstehende Material und reagiert darauf. Die Musik entwickelt sich damit unmittelbar während der Aufführung.

Improvisation, genaues Zuhören und musikalischer Instinkt bilden die Grundlage dieses Ansatzes.

Mattia ist Absolvent des New England Conservatory. Seine musikalische Sprache ist von unterschiedlichen Einflüssen geprägt, darunter klassische Musik, Jazz, Progressive Rock, moderne und nicht-tonale Musik sowie Ambient. Eine wichtige Rolle spielt dabei das im Jazz zentrale Prinzip des Zuhörens und unmittelbaren Reagierens, auch wenn sich seine Improvisationen zunehmend außerhalb einer konventionellen Jazzsprache bewegen.

Metamorphosis gehört zu den jüngsten Beispielen für diese experimentellere Seite seines Schaffens.

Von tonaler Vertrautheit zur offenen Klangsprache

Zu Beginn vermittelt Metamorphosis noch ein Gefühl harmonischer Vertrautheit. Die Musik wirkt lyrisch und suchend. Im weiteren Verlauf verliert die konventionelle Harmonik jedoch zunehmend ihre orientierende Funktion. Die Phrasen werden fragmentierter, die harmonischen Verhältnisse instabiler, bis das Stück schließlich nicht-tonales Terrain erreicht.

Zu seinem Ausgangspunkt kehrt es nicht zurück.

Metamorphosis war eine Reise in eine Richtung – von tonaler Lyrik in zunehmend nicht-tonales Terrain, ohne Rückkehr zum Ausgangspunkt“, sagt Mattia. „Diese unumkehrbare Verwandlung ist das Herzstück der Improvisation.“

Dass das Ziel zu Beginn noch nicht feststeht, ist ein wesentlicher Bestandteil seiner Arbeitsweise. Mattia versteht Improvisation nicht lediglich als Ausschmückung oder Erweiterung einer vorhandenen Komposition. Die Improvisation ist vielmehr selbst der kompositorische Prozess: eine Folge von Entscheidungen, die aus dem Zuhören entsteht und deren nächster Schritt nicht vollständig vorhersehbar ist.

Zwischen Meditation und Abstraktion

Dieser Ansatz zeigt sich in unterschiedlichen Formen innerhalb von Mattias bisherigem Werk. Stücke wie Andrea und Prayer beschäftigen sich mit den ruhigeren und meditativeren Möglichkeiten des Klaviers. Prayer entstand vor dem Hintergrund von Themen wie Verlust, Distanz und Hoffnung, während Andrea auf Atmosphäre und melodische Zurückhaltung setzt.

Daneben stehen Arbeiten, die deutlich weiter in abstrakte Klangwelten vordringen.

Dazu gehört Odyssey, eine elfminütige Solo-Klavierimprovisation, die in einer einzigen, ununterbrochenen Aufführung entstand. Sie bewegt sich durch mehrere musikalische Bereiche: von tonaler Lyrik über einen komplexeren und zunehmend nicht-tonalen Mittelteil bis zu einem veränderten, meditativen Schluss.

Vom spontanen Spiel zur Partitur

Odyssey wird derzeit auf Grundlage von Mattias Originalaufnahme von seinem langjährigen Transkriptionisten Howard Begun notiert. Die ersten sieben Seiten der Transkription sind fertiggestellt; anschließend soll eine vollständig gesetzte Partitur entstehen.

Damit ergibt sich eine Verbindung zwischen Improvisation und notierter Komposition. Das Stück wurde ursprünglich nicht als schriftlich fixiertes Werk konzipiert, wird nun aber in Notenschrift übertragen und könnte dadurch auch von anderen Pianisten studiert oder gespielt werden.

Die ursprüngliche Aufnahme bleibt für Mattia dennoch von zentraler Bedeutung. Große Teile von Odyssey sind frei im Timing. Aspekte wie Tempoentwicklung, Resonanz, Pedalgebrauch und expressive zeitliche Gestaltung lassen sich deshalb nur eingeschränkt mit konventioneller Notation wiedergeben.

Zugleich verdeutlicht dieser Prozess einen Grundgedanken seiner Arbeit: Improvisation bedeutet nicht zwangsläufig den Verzicht auf Struktur. Struktur kann vielmehr während des Spielens entstehen.

Spontane Entscheidungen als musikalisches Prinzip

Mattias Musik greift damit ein wesentliches Element der Jazztradition auf – spontane musikalische Entscheidungen – und verbindet es mit Einflüssen aus Klassik, Moderne, Ambient und experimenteller Musik.

Metamorphosis zeigt diesen Ansatz in konzentrierter Form. Das Stück beginnt in einem vertrauten musikalischen Umfeld und entfernt sich schrittweise davon. Anstelle einer Rückkehr zur ursprünglichen Harmonik steht die fortlaufende Veränderung des musikalischen Materials.

Mattia selbst richtet dabei eine Frage an die Hörerinnen und Hörer: „Mich würde sehr interessieren, an welcher Stelle die Musik für euch diese Schwelle überschreitet – und wie die zweite Hälfte auf euch wirkt.“

Metamorphosis ist gemeinsam mit weiteren spontanen Klavierimprovisationen von Mario Mattia veröffentlicht worden.

Über Mario Mattia

Mario Mattia ist ein US-amerikanischer Improvisationspianist und Absolvent des New England Conservatory. Seine Arbeit basiert auf Spontaneität, intensivem Zuhören und musikalischer Präsenz. Zu seinen Einflüssen zählen Johann Sebastian Bach, Keith Jarrett und Brian Eno; seine Musik verbindet Elemente aus Klassik, Jazz, Progressive Rock und Ambient.

Seine Improvisationen entstehen unmittelbar während des Spielens, ohne vorab festgelegte Themen oder Strukturen. Der Schwerpunkt seiner Arbeit liegt auf Solo-Klavierimprovisationen. Daneben beschäftigt sich Mattia in seinem Studio mit elektronischer Musik und Klanggestaltung.

In seinem ländlich gelegenen Studio zeichnet er seine Performances auf und dokumentiert damit Musik, deren Form und Verlauf erst im Moment des Spielens entstehen.