Jazz News
Sebastian Studnitzky: Doppeltes Risiko, doppelter Ruhm
Zwischen Grenzgängen und Jazzpreis
Sebastian Studnitzky ist einer dieser Berliner Musiker, die nie stehen bleiben: Jazztrompeter, Pianist, Komponist und immer schon mit dem Kopf im nächsten Projekt. In diesem Frühjahr zahlt sich diese Rastlosigkeit sichtbar aus: Studnitzky ist gleich in zwei Kategorien für den Deutschen Jazzpreis nominiert, der am 25. April in Bremen verliehen wird. Für ihn ist das nicht nur Auszeichnung, sondern auch Rückenwind für eine Laufbahn, in der künstlerische Neugier stets wichtiger war als klare Genre‑Schubladen.
Memento Odesa: Proben im Luftalarm
Besonders deutlich wird das im Projekt „Memento Odesa“, das er gemeinsam mit einem Kammerorchester aus der ukrainischen Hafenstadt entwickelt hat. Geprobt und aufgenommen wurde vor Ort, mitten im Krieg, mit Sitzungen, die immer wieder von Bombenalarm unterbrochen wurden. Statt auf sichere Studios und günstige Sample‑Bibliotheken zu setzen, entscheidet sich Studnitzky ganz bewusst für die reale Begegnung mit Musikerinnen und Musikern, mit einer Stadt im Ausnahmezustand und mit einem Publikum, das Musik als Lebenszeichen versteht.
Kompromisslosigkeit mit Preisetikett
Diese Konsequenz hat ihren Preis. Wenn andere aus Kostengründen verkleinern, denkt Studnitzky in größeren Besetzungen, reist mit aufwändigen Projekten in unsichere Regionen und nimmt Umwege in Kauf, die sich betriebswirtschaftlich kaum rechnen. Er verzichtet auf den schnellen, glatten Weg, um Klang, Atmosphäre und Haltung nicht verwässern zu müssen. Genau diese Kompromisslosigkeit aber macht ihn zu einem der spannendsten Stimmen des deutschen Jazz – und erklärt, warum sein Name beim Deutschen Jazzpreis in gleich zwei Kategorien fällt.
Das Interview bei Ella jetzt nachhören: