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Sinatra-Show: Gesang top, Ambiente flop

13. Mai 2026

Sinatra-Show: Gesang top, Ambiente flop

Es gibt Abende, an denen man sich fragt, ob Frank Sinatra kurz den Raum betreten hätte – oder sofort wieder rückwärts hinausgegangen wäre. Die Sinatra-Show im Hotel Palace Berlin gehört leider eher zur zweiten Kategorie.

Dabei fing alles vielversprechend an. Musikalisch nämlich war der Abend stark. Allen voran Emil Wahlgren und Martina Barta mit ihrer Band lieferten genau das, was man bei einem Sinatra-Abend hören möchte: große Stimmen, sauber gespielte Arrangements, viel Leidenschaft und spürbare Hingabe an das Repertoire von Frank und Nancy Sinatra. Die Musiker auf der Bühne kämpften tapfer gegen das an, was vor ihnen passierte – beziehungsweise eben nicht passierte.

Denn das Problem dieses Abends war nicht die Musik. Das Problem war der Raum.

Schon der Weg dorthin wirkte wie ein unfreiwilliges Escape-Game. Im Palace Hotel war der Saal praktisch nicht ausgeschildert. Wer nicht genau aufpasste, irrte eher orientierungslos durch Hotelflure und Fahrstuhlbereiche. Und wer falsch abbog, landete plötzlich zwei Etagen tiefer auf einer türkischen Großhochzeit – die übrigens deutlich glamouröser wirkte als die eigentliche Sinatra-Show. Dort gab es wenigstens Stimmung, Menschen, Licht und Leben.

Ernüchterung statt Glamour

Wer bei einer Sinatra-Show an Las Vegas denkt, an schwere Vorhänge, gedimmtes Licht, elegante Bars, verrauchte Club-Atmosphäre und den Glanz alter Entertainment-Zeiten, erlebt hier eine ziemlich harte Landung. Stattdessen: ein nüchterner Hotel-Konferenzraum mit Teppichboden, kahlen Fensterfronten und der Atmosphäre eines improvisierten Firmen-Events.

Es gab nicht einmal eine Bühne

Die Musiker standen schlicht auf dem Teppich des Konferenzraums. Hinter ihnen keine elegante Kulisse, keine samtigen Bühnenvorhänge, keine warme Club-Atmosphäre – sondern Hotel-Fenster. Dazu ein paar dekorative Spots, die hinter und neben den Musikern aufgestellt wurden, offenbar um wenigstens ein wenig Lounge-Gefühl zu erzeugen. Doch gegen die sterile Konferenzraum-Optik kamen selbst die schönsten Lampen nicht an.

Und wenn an einem Samstagabend gerade einmal 17 zahlende Zuschauer verloren an ihren Tischen sitzen, entsteht eben kein Sinatra-Glamour, sondern eher die Stimmung einer missglückten Betriebsfeier.

Das tat den Künstlern fast schon leid. Denn sie machten wirklich alles richtig. Emil Wahlgren sang mit Kraft und Gefühl, Martina Barta brachte Klasse und Präsenz auf die Bühne – beziehungsweise auf den Teppich –, die Band spielte souverän und professionell. Man merkte förmlich, wie die Musiker versuchten, den Raum emotional aufzuwärmen. Aber gegen einen seelenlosen Konferenzsaal kämpft man irgendwann wie gegen Beton.

Auch das Dinner war ordentlich. Nicht spektakulär, nicht schlecht. Solide Hotelküche eben. Nur steht das Gesamtpaket aus Dinner, Musik und Getränkepauschale preislich irgendwann in keinem Verhältnis mehr zum Ambiente. Denn bei rund 230 Euro pro Person erwartet man mehr als Teppichboden und Konferenzraum-Atmosphäre.

Das eigentliche Problem dieses Abends ist das Missverhältnis zwischen Versprechen und Wirklichkeit. Sinatra steht für Glamour, Eleganz, Nachtleben, Atmosphäre und große Emotionen. Diese Show hatte gute Musiker – aber keinerlei Bühne für den Mythos.

Musikalisch lohnt sich der Abend durchaus. Wer Sinatra liebt, wird an einigen Momenten Freude haben. Aber Jazz, Swing und Las Vegas brauchen Räume mit Seele. Nicht Teppichboden, Fensterfronten und Hotel-Konferenzästhetik.

Oder anders gesagt: Die Band spielte Sinatra. Das Ambiente spielte Vorstandssitzung des Angelvereins.


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