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Uschi Brüning: Deutsche Jazzlegende wird 79

04. März 2026

Uschi Brüning: Deutsche Jazzlegende wird 79

Uschi Brüning wird 79 Jahre alt! Und man muss sich die Zahl fast zweimal anschauen. Denn diese Stimme klingt, als hätte sie entschieden, sich dem Älterwerden zu widersetzen: warm, seelenvoll, mit jener Mischung aus Jazz-Coolness und bodenständigem Charme, die sie seit Jahrzehnten zur „Deutschen Ella Fitzgerald“ macht.

Vom Leipziger Mädchen zur Jazz-Ikone

Geboren am 4. März 1947 in Leipzig, begann Uschi Brüning als Teenager vor Werktätigen in einem Leipziger Betrieb zu singen. Aus einem schüchternen Mädchen wurde auf offener Bühne die jazzigste Stimme der DDR. Sie startete im Schlager, sang Chansons und Pop, bevor der Jazz zu ihrer eigentlichen künstlerischen Heimat wurde.

Ihre ersten großen Schritte machte sie mit der Klaus-Lenz-Band, später mit dem Günther-Fischer-Quintett. Parallel dazu trat sie an der Seite von Manfred Krug auf, tourte mit ihm und wurde mit ihrer Stimme für viele zum emotionalen Zentrum dieser Konzerte.

„Dein Name“ und der Durchbruch

1972 kam der Titel, der alles veränderte: „Dein Name“. Mit diesem Song gelang ihr der endgültige Durchbruch im Schlager und plötzlich war Uschi Brüning im Radio, im Fernsehen, in den großen Hallen. Bemerkenswert: Sie nutzte diesen Erfolg nicht, um sich bequem im Mainstream einzurichten, sondern um ihren eigenen Weg zwischen Schlager, Soul und Jazz zu gehen.

Der Schriftsteller Ulrich Plenzdorf war so beeindruckt von ihr, dass er sie in seinem Kulttext „Die neuen Leiden des jungen W.“ literarisch verewigte – eine frühe Form popkultureller Unsterblichkeit. Später widmete ihr Wolf Biermann sogar ein Gedicht.

Die Frau, die dem Jazz ein ostdeutsches Gesicht gab

Schon in den 70er-Jahren galt Uschi Brüning als die führende Jazzsängerin im Osten Deutschlands. Ihr Repertoire reichte und reicht von Blues und Gospel über Swing-Standards bis hin zur freien Improvisation im modernen Jazz und immer klingt in dieser Stimme Lebenserfahrung, Verletzlichkeit und Kraft.

Ende der 70er-Jahre näherte sie sich auch dem Free Jazz an, einem Genre, das Mut erfordert. Sie selbst spricht von einem „Mut zum Hässlichen“, der aber zugleich eine große Freiheit bedeute. Damit verschob sie die Grenzen dessen, was eine ostdeutsche Sängerin angeblich zu sein hatte, und öffnete Türen für nachfolgende Generationen.

Karriere nach der Wende und ein Publikum, das bleibt

Als 1989 die Mauer fiel, waren viele ostdeutsche Künstlerinnen und Künstler plötzlich mit einem völlig neuen Markt konfrontiert. Uschi Brüning hat diese schwierige Phase immer wieder als Bruch beschrieben und sich doch im vereinten Deutschland behauptet. Ihr Publikum blieb ihr vor allem im Osten treu, während sie sich zugleich in der gesamtdeutschen Jazzszene etablierte.

Sie gründete eigene Projekte, arbeitete mit internationalen Jazzgrößen und blieb als Live-Künstlerin präsent, unter anderem in Konzerten wie in der Elbphilharmonie zum 30. Jahrestag des Mauerfalls. Auch Hommage-Programme, etwa zu Manfred Krug gemeinsam mit dessen Tochter Fanny, hielten die Verbindung zu ihrer eigenen Geschichte lebendig.

Alben, Autobiografie und eine Stimme mit Geschichte

Zu ihren späten großen Lebensprojekten gehören ihre Soloalben. Etwa „So wie ich“, für das sie für den Echo Jazz nominiert wurde, und „Tagesträume“. Beide zeigen eine Künstlerin, die sich nicht auf Nostalgie verlässt, sondern weiter nach neuen Ausdrucksformen sucht.

Mit ihrer Autobiografie, die sie auf Drängen von Manfred Krug und mit Hilfe von Krista Maria Schädlich schrieb, hat sie ihre Lebensgeschichte zwischen zwei Buchdeckel gebracht. Es zeigt einen Blick hinter die Bühne auf Kindheit, DDR, Wende und Wiederaufbruch. Selbst im hohen Alter öffnet sie neue Türen: So sang sie in Disneys Animationsfilm „Encanto“ die Rolle der Großmutter, Abuela Alma Madrigal, in der deutschen Fassung.

Auszeichnungen und Lebenswerk

Über mehr als sechs Jahrzehnte auf der Bühne hat Uschi Brüning zahlreiche Preise und Ehrungen gesammelt,  bis hin zu einem Deutschen Jazzpreis für ihr Lebenswerk, der ihr als 78-Jährige zugesprochen wurde. Solche Auszeichnungen fassen zusammen, was ihr Publikum schon lange weiß: Diese Stimme steht für ein Stück Musikgeschichte in Deutschland: ostdeutsch, gesamtdeutsch, zeitlos.

Wenn Uschi Brüning nun ihren 79. Geburtstag feiert, dann feiert sie mehr als nur ein weiteres Jahr. Es ist ein Jubiläum für eine Künstlerin, die gezeigt hat, dass Herkunft kein Käfig sein muss und dass man sich mit Haltung, Neugier und einer unverwechselbaren Stimme immer wieder neu erfinden kann.

Das ganze Interview mit Uschi Brüning gibt es hier: