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Wenn Fürsorge zu Musik wird: Maria Reichs neues Album „CARE WORKS“
Wie klingt Mutterschaft? Wie lässt sich Fürsorge musikalisch erzählen? Und welchen Wert hat Arbeit, die gesellschaftlich oft unsichtbar bleibt? Die Berliner Jazzmusikerin Maria Reich beschäftigt sich auf ihrem neuen Album „CARE WORKS“ mit diesen Fragen – persönlich, politisch und voller Emotionen.
Gesellschaftskritik ohne erhobenen Zeigefinger
Maria Reich gehört zu den Musikerinnen, denen es gelingt, komplexe gesellschaftliche Themen in unmittelbar erfahrbare Musik zu übersetzen. Statt theoretischer Abhandlungen setzt sie auf Klang, Improvisation und Emotion. Ihr neues Album „CARE WORKS“, erschienen am 2. Oktober 2026, widmet sich Mutterschaft, Fürsorge und der gesellschaftlichen Bedeutung von Sorgearbeit.
Dabei geht es um weit mehr als individuelle Erfahrungen. Wer kümmert sich um andere? Wer trägt Verantwortung? Und warum wird diese Arbeit so häufig als selbstverständlich betrachtet? Reich macht daraus keine akademische Vorlesung, sondern eine musikalische Auseinandersetzung, die Raum für Widersprüche und Gefühle lässt.
Zwischen Jazz, Klassik und Improvisation
Die deutsch-kanadische Geigerin, Bratschistin und Komponistin bewegt sich seit Jahren zwischen musikalischen Welten. Sie spielt unter anderem im Trickster Orchestra und im Sextett von Cymin Samawatie. Auch als Autorin beschäftigt sie sich mit Improvisation und gesellschaftlichen Zusammenhängen. Ihr Soloalbum „Interdependenzen“ erschien 2024 beim New Yorker Label Relative Pitch Records.
Für Reich ist Improvisation mehr als eine musikalische Technik. Sie versteht sie als Möglichkeit, auf andere zu reagieren, Verbindungen herzustellen und Unvorhergesehenes zuzulassen. Ein Ansatz, der auch zum Thema Fürsorge passt: Denn Care-Arbeit bedeutet, aufmerksam zu sein, Verantwortung zu übernehmen und sich immer wieder auf neue Situationen einzustellen.
Das Private ist politisch
Mit „CARE WORKS“ rückt Reich ein Thema ins Zentrum, das auch gesellschaftspolitisch zunehmend diskutiert wird. Nach Angaben des Müttergenesungswerks leisten Frauen in Deutschland täglich 79 Minuten mehr unbezahlte Sorgearbeit als Männer.
Mütter auf die Eins!
Reich nähert sich dieser Realität mit künstlerischen Mitteln. Sie verdichtet große Fragen auf ihren persönlichen, emotionalen Kern und macht damit erfahrbar, was Zahlen und Statistiken allein kaum vermitteln können.
Entstanden ist ein Album, das zum Zuhören und Nachdenken einlädt. Eines, das Fürsorge nicht als Randthema, sondern als Grundlage menschlichen Zusammenlebens begreift.
Mehr zur Künstlerin und zum Album auf marytherichest.com.