Jazz News
Wenn Generationen miteinander grooven
Mit 28 Jahren hat sich Simon Oslender längst einen Namen gemacht, für den andere ein ganzes Musikerleben brauchen. Der Pianist, Hammondorgel-Spieler und Keyboarder aus Aachen gehört zu jener seltenen Sorte Künstler, die technische Brillanz nie wie Selbstzweck wirken lassen. Stattdessen verbindet Oslender Soul, Jazz und Funk mit einer Leichtigkeit, die selbst internationale Größen beeindruckt. Spätestens seit seinen gefeierten Alben „About Time“ und „Peace of Mind“ gilt er als einer der spannendsten Musiker der europäischen Jazzszene.
Dabei begann alles erstaunlich früh. Schon als Kind wechselte Oslender vom Schlagzeug an die Hammondorgel, gewann Nachwuchswettbewerbe und spielte sich als Teenager in die erste Reihe des deutschen Jazz. Heute stehen Namen wie Wolfgang Haffner, Bill Evans oder Gregory Porter auf seiner Vita fast beiläufig nebenbei. Trotzdem haftet seinem Spiel nichts Routiniertes an. Wer Oslender live erlebt, spürt sofort diese besondere Mischung aus jugendlicher Energie, Virtuosität und hörbarer Freude am gemeinsamen Musizieren.
Im Nikolaisaal Potsdam endet nun seine dreijährige Zeit als Debüt-Künstler mit einem Abend, der weniger wie ein klassisches Konzertprogramm wirkt als wie ein Treffen musikalischer Weggefährten. Gemeinsam mit Bassist Claus Fischer und dem niederländischen Schlagzeuger Jérôme Cardynaals entsteht ein Trio, das sich blind versteht. Cardynaals begleitet Oslender bereits seit Jugendtagen, ihre gemeinsame Geschichte reicht bis in frühe Wettbewerbserfolge zurück. Aus dieser Vertrautheit entsteht auf der Bühne eine Dynamik, die zwischen lässigem Groove, spontanen Improvisationen und hochkonzentrierter Interaktion pendelt.
Eine Jazzlegende trifft auf den Rising Star
Dass an diesem Abend außerdem Randy Brecker mit auf der Bühne steht, verleiht dem Konzert eine zusätzliche Dimension. Der siebenfache Grammy-Preisträger zählt zu den prägenden Figuren des Fusion-Jazz. Bereits Ende der 1960er-Jahre schrieb er als Mitbegründer von Blood, Sweat & Tears Musikgeschichte, später arbeitete er mit Künstlern wie Frank Zappa, Bruce Springsteen oder Eric Clapton.
Bemerkenswert ist jedoch weniger der Generationenunterschied zwischen dem 80-jährigen Brecker und dem jungen deutschen Keyboarder, sondern die musikalische Selbstverständlichkeit, mit der beide aufeinandertreffen. Oslender bewegt sich seit Jahren mit erstaunlicher Souveränität zwischen Jazzlegenden – nun begegnen sich zwei Musiker, die vor allem eines verbindet: die Lust am offenen, grenzenlosen Sound.