Jazz News
Wenn selbst leiser Jazz zu laut ist
Die Silent Jazz Bar in Schöneberg gilt als einer der ungewöhnlichsten Jazzorte Berlins. Doch selbst dort wurde die Musik zum Lärmproblem. Die Betreiber Urs Johnen und Alexander Wienand reagierten mit einer ungewöhnlichen Lösung: Jazz über Kopfhörer. Ella Radio hat die beiden in ihrer Bar besucht.
Jazz in Zimmerlautstärke
Eigentlich steckt die Idee schon im Namen. In der Silent Jazz Bar in der Naumannstraße spielen Musikerinnen und Musiker auf einer winzigen Bühne, unmittelbar vor ihrem Publikum – und bewusst leise. Statt eines klassischen Clubabends mit zwei langen Sets gibt es meist drei kürzere musikalische Einheiten. Dazwischen bleibt Zeit für Gespräche und den Austausch über die Musik.

Hinter dem Konzept stehen der Kontrabassist Urs Johnen und der Pianist Alexander Wienand. Sie wollten einen Ort schaffen, an dem Musiker der Berliner Jazzszene Neues ausprobieren können – ohne den Produktionsdruck eines klassischen Konzertbetriebs. Die Bar versteht sich deshalb nicht nur als Bühne, sondern auch als Labor und Treffpunkt.
Wenn „silent“ nicht silent genug ist
Doch ausgerechnet die Lautstärke wurde zum Problem. Das Konzept war von Anfang an auf akustischen Jazz in Zimmerlautstärke und möglichst wenig Verstärkung ausgelegt. Trotzdem gab es Beschwerden wegen des Konzertbetriebs.
Für einen ohnehin leisen Jazzort eine besondere Herausforderung und eine Frage, die viele Kulturorte in dicht bewohnten Berliner Kiezen kennen: Wie lassen sich Livekultur und das Ruhebedürfnis der Nachbarschaft miteinander vereinbaren?
Johnen und Wienand suchten nach einer Lösung. Ihre Antwort: Kopfhörer.
Jazz direkt aufs Ohr
Inzwischen veranstaltet die Bar eine neue „Silent Series“ mit Kopfhörerkonzerten. Das Prinzip erinnert an eine Silent Disco: Das Publikum kann die Musiker über Kopfhörer hören, während im Raum selbst die Lautstärke möglichst niedrig bleibt. Aktuell gehören diese Abende regelmäßig zum Programm der Bar.
Was zunächst wie eine Notlösung klingt, verändert auch das musikalische Erlebnis. Feinste Nuancen gelangen direkt ans Ohr, der Abstand zwischen Bühne und Publikum scheint noch kleiner zu werden. Gleichzeitig stellt sich die Frage: Geht etwas verloren, wenn Live-Jazz plötzlich über Kopfhörer stattfindet?
Aus der Not ein neues Format
Ella Radio hat Urs Johnen und Alexander Wienand in der Silent Jazz Bar getroffen. Wir sprechen mit ihnen darüber, wie aus einem Lärmproblem ein neues Konzertformat wurde, wie Musiker auf die Kopfhörer reagieren, welche Vor- und Nachteile sie sehen und natürlich darüber, ob es inzwischen auch für die Nachbarn leise genug ist.
Jetzt das Interview mit Urs Johnen und Alexander Wienand anhören: