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Wolfgang Haffner: Musikalische Freiheit im A-Trane

19. August 2026

Wolfgang Haffner: Musikalische Freiheit im A-Trane

„Ich bin gerade so abenteuerlustig wie selten“ – Wolfgang Haffner sprengt im A-Trane seine musikalischen Grenzen

Das ist schon eine musikalische Sensation: Wolfgang Haffner, einer der weltweit erfolgreichsten Jazzmusiker und wohl einer der prägendsten Jazzschlagzeuger der vergangenen Jahrzehnte, gastiert in dieser Woche im Charlottenburger A-Trane. Vor rund einhundert Menschen im Publikum. Zum Vergleich: Vor einer Woche spielte er bei „Stars im Luitpoldhain“ vor 40.000 Menschen. Dort war allein die Bühne rund zehnmal so groß wie der Charlottenburger Jazzclub insgesamt.

Das ist das Ergebnis einer wunderbaren Freundschaft

Wie kam es zu diesem gewaltigen Gastspiel? „Herzenssache!“, ruft Wolfgang Haffner im Ella-Interview aus. Seit mehreren Jahrzehnten ist Haffner mit Sedal Sardan, dem Betreiber des A-Trane, befreundet. Immer wieder hat der Star-Schlagzeuger im Club gespielt, ihm 2004 sogar ein Live-Album „geschenkt“ – so fühlt es sich für A-Trane-Chef Sardan an („Metro – Live At The A-Trane“). Doch in den vergangenen zwölf Jahren war in Haffners Terminkalender zwischen Welttourneen und Studioaufnahmen mit Musikstars wie Till Brönner und Max Mutzke keine Zeit für den legendären Berliner Club. „Seit einem Jahr steht jetzt schon der Termin dieser Residency, damit uns diesmal wirklich nichts dazwischenkommen kann“, sagt Haffner im Interview.

Mehr Freiheit ohne Harmonie

„Ich merke im Moment immer mehr, was ich nicht kann. Deswegen übe ich seit einiger Zeit wieder so intensiv wie schon lange nicht mehr. Und ich höre unentwegt neue Musik, die mich unglaublich inspiriert“, beschreibt Wolfgang Haffner seine Motivation hinter der „Summer Residency“ im Berliner A-Trane. Denn es ist mitnichten so, dass sich der Weltmusiker auf sein in den vergangenen Jahrzehnten erworbenes Standing ausruht und jeden Abend im A-Trane ein festes Programm (ab)spielt. Das A-Trane ist für ihn nicht (nur) Wohnzimmer, sondern vor allem auch Versuchslabor. Jeden Abend lädt er sich verschiedene Jazzer aus der Berliner Szene ein, die allesamt für ihr grenzüberschreitendes Spiel bekannt sind: von „jungen Wilden“ wie Jakob Manz und Nils Kugelmann bis zu Weggefährten wie Sebastian Studnitzky oder Ulf Wakenius.

Gitarrist Wakenius ist übrigens der einzige Musiker, der ein Harmonieinstrument spielt. „Wenn kein Harmonieinstrument dabei ist, sind wir anderen Musiker noch freier und können sofort in eine ganz andere Richtung wechseln“, schilderte Haffner dem restlos ausverkauften A-Trane beim ersten Residency-Konzert am Dienstag, „und diese Freiheit genießen wir sichtlich“. Neben ihm in diesem Moment: ein strahlender Jakob Manz und ein mindestens genauso strahlender Nils Kugelmann.

„Happy Haffner“

Und tatsächlich: Für jeden Moment, in dem einem beim Eröffnungskonzert ein harmonisches „Futter“, eine „Fläche“ gefehlt hat, feuerten die drei Ausnahmemusiker mindestens drei Momente entgegen, in denen diese gewonnene Freiheit zu schweben schien: Im Wissen, dass Manz und Kugelmann sofort mitgehen können, wechselte Haffner manchmal in Sekundenbruchteilen Rhythmen, Stimmungen oder gar Instrumente. Fand im musikalischen Strom Ideen, verwarf sie wieder, leitete einen Mitklatschteil im Publikum an, der nach vier Takten schon wieder abrupt von einem fulminanten Schlagzeuggroove unterbrochen wurde. So intensiv und direkt an der Musik und am Publikum bekommt man einen Jazzmusiker von Weltrang selten zu hören. Und ein Blick in Haffners Gesicht verriet, dass er seinem früheren Spitznamen aus seiner Anfangszeit an diesen Abenden im A-Trane wieder besonders nah kommt: „Happy Haffner“.

Ein großes Geschenk

Dass das Berliner Publikum in dieser Woche dieses großartige Geschenk bekommt, ist zweifelsfrei auch A-Trane-Betreiber Sedal Sardan zu verdanken. Er kann zwar sicher sein, dass der Name Haffner „zieht“ und den Club auch voll machen würde, wenn Haffner jeden Abend seine liebsten Schäufele-Rezepte aus seiner fränkischen Heimat vorlesen würde. Aber Sardan hat sich im musikalischen Versuchslabor auch einen Laborkittel angezogen und bietet Haffner alle Voraussetzungen, mit seinen Gastmusikern Grenzen zu finden und diese dann zu sprengen. Oder, wie Haffner es im Ella-Interview sagt: „Diese musikalischen Experimente kann ich nicht auf einer Riesenbühne machen, das geht nur in so tollen Clubs wie dem A-Trane. Dafür danke ich Sedal sehr!“

Wie schön, dass die Versuchsreihe noch bis Samstag andauert. Und wenn Haffner und Sardan den Kittel dann wieder ausziehen, können beide stolz und dankbar sein. Und sich bedanken – mit einem Schäufele. Oder einem Live-Album.

Alle Infos zur Summer-Residency von Wolfgang Haffner: https://a-trane.de/programm/

Jetzt in das Interview mit Eric Sommer reinhören: